von Ingo Thiele
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20. Januar 2026
So lautete ein Seminarthema, welches die Jugendabteilung von Germania Enkheim im Zusammenwirken mit der Sportjugend Hessen im Vereinsheim im Riedstadion durchgeführt hat. Jetzt mitten im Januar bei widrigen äußeren Verhältnissen ruht weitestgehend der Ball und es gibt ein wenig Zeit, um sich mit Themen zu beschäftigen, von denen man immer mal sagt, da müsste man mal was machen, welche dann aber doch zu häufig von der Tagesaktualität an den Rand gedrängt werden. Wir haben uns den gesamten Samstag, den 17.1.2026 ein kalter aber sehr schöner Tag, Zeit genommen, vermittelt durch die Sportjugend kam mit Jens Binias ein erfahrener Dozent, welcher leichtfüßig durch das schwere Thema führte und echte neue Erkenntnisse vermittelte und mit uns in Fallbeispielen erarbeitete. 20 ehrenamtlich tätige Trainer und Betreuer von Germania Enkheim waren ab 9:30 Uhr dabei. Warum haben wir das gemacht? Unser Verein betreut rund 400 Kinder und Jugendliche in immer etwa 25 Mannschaften und wird allgemein für gute Jugendarbeit gelobt, Erkenntnisse über irgendwelche Vorfälle liegen nicht vor, was aber nicht bedeutet, dass keine Probleme existieren können. Jens berichtete über Statistiken, nach welchen jedes fünfte Kind mit Gewalt im Sport betroffen ist, zu allererst wird in der Hälfte der Fälle von psychischer Gewalt gesprochen, 30 % körperliche Gewalt, 20 % sexualisierte Gewalt und 11 % Vernachlässigung. Wer jetzt mitgerechnet hat und herausbekommen hat, dass die Angaben 100 % überschreiten, dann liegt das daran, dass in den Befragungen auch Mehrfachnennungen möglich waren. Bei diesen hohen Zahlen ist es eher unwahrscheinlich, dass irgendein Verein ganz verschont bleibt. Daher ist es auch wichtig, nicht nur für vorhandene Probleme noch besser ansprechbar zu sein, sondern auch nach Möglichkeit präventiv tätig zu sein. Bei Vereinen mit klar kommunizierter „Kultur des Hinsehens der Beteiligung"ist das Risiko für alle Formen der sexualisierten Gewalt signifikant geringer. Sport hat großes Potenzial zur positiven körperlichen und geistigen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beizutragen. Aber überall dort, wo Menschen gemeinsam agieren, sich aufeinander einlassen und wo sie voneinander abhängig sind, können Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch, Mobbing, verbale und körperliche Übergriffe vorkommen. So auch im Sport, so natürlich auch bei uns im Verein. Wir möchten uns bei Germania Enkheim klar gegen jegliche Form von Grenzüberschreitungen und Gewalt aussprechen und nehmen hierbei Vernachlässigung, psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in den Blick. Die Sportjugend fördert die Auseinandersetzung diesem Thema ganz ausdrücklich, für die Stellung des Referenten und Vermittlung von Materialien wurden keine Kosten erhoben, auch wir haben dieses Seminar für die Teilnehmer kostenlos durchgeführt und die Teilnehmer darüber hinaus kostenlos mit Kaffee, Wasser und pünktlich um 13:00 Uhr zum Mittagessen zu einer schmackhaften Gulaschsuppe, gekocht von unserer Vereinswirtin Renata eingeladen, alleine für die Suppe hätte es sich gelohnt. Trotzdem klingt alles was wir gemacht haben aufs erste Hinsehen recht trocken, so war es aber nicht, es hat vielmehr viel Spaß gemacht, gemeinsam mit Trainerkollegen, abseits von Technik und Taktik den Horizont zu erweitern, über mögliche Ergänzungen von Verhaltensregeln im Vereinsalltag und Vorgehensweisen im Verdachtsfall zu sprechen. Natürlich ist im Verein schon einiges an Strukturen vorhanden, viele der Anwesenden kannten diese Strukturen aber noch gar nicht, gleichgültig ob die bisher vorhandenen Erkenntnisse auf der Homepage niedergelegt sind oder aber in einer dicken Kladde übergeben werden, man nimmt sich immer vor das alles mal durchzulesen und zu beachten, ruckzuck überwiegen die rein faktischen Erfordernisse, das nächste Training muss vorbereitet werden, für das nächste Spiel fehlen noch Mitfahrgelegenheiten, der Torwart hat abgesagt und es muss aus anderen Mannschaften ein Ersatz besorgt werden, nach dem Training fehlen die Hälfte der Bälle und und und. Bei Germania Enkheim gibt es beispielsweise eine pädagogische Leitung bestehend aus zwei Personen und auch ein Plakat, aus welchem sich die Gesichter und Funktionen dieser Personen ergeben. Auf dem Plakat gibt es sogar auch eine Kontaktmöglichkeit, allerdings per E-Mail hier wies Jens zurecht daraufhin, dass es doch auch die Möglichkeit geben muss, sich anonym zu melden, was mit einer E-Mail eben gerade nicht möglich ist. Wir müssen daher vieles in unserer internen Kommunikation verbessern, die vorhandenen Strukturen um die neuen Erkenntnisse erweitern und sind fest entschlossen, das auch zu tun, ein entsprechender Vorstandsbeschluss wird vorbereitet und vorgelegt und viele weitere Schritte werden folgen. Der wichtigste erste Schritt, das haben wir gemeinsam mit Jens erarbeitet ist die Benennung von echten dann auch noch ergänzend zu schulenden Kindeswohlbeauftragten, wobei es nicht sinnvoll erscheint, wie bisher diese Aufgabe ein zwei Vorstandsmitgliedern noch mit aufzusatteln, sondern hier andere Vereinsmitglieder zu motivieren, bei den Mitgliedern der Seminargruppe befanden sich einige Kandidaten, welche hervorragend geeignet wären und mit denen wir zeitnah Gespräche führen werden.